Clicker-Seminar mit Uta Bindels
Am 06. Und 07. August diesen Jahres hatten 15 Vereinsmitglieder und 20 auswertige Hundesportler das Vergnügen, an einem Unterordnungsseminar mit Uta Bindels teilzunehmen.
Uta bildet ihre Hunde seit mehreren Jahren über die Clickermethode aus. Als ihre größten Erfolge kann man sicherlich die Einzelweltmeisterschaft 2003 bei den belgischen Schäferhunden, sowie ihre Titel als Mannschaftsweltmeisterin von 2002 bis 2005 bezeichnen.
Im August also nahm Uta den weiten Weg von Stuttgart nach Norderstedt auf sich, um hier bei uns im PHSV ein Seminar für interessierte Hundesportler zu geben.
Uta folgt der Ruf der „Clicker-Königin“, seit sie mit ihrem Konzept „Lernen am Erfolg“ quer durch Deutschland und auch sogar regelmäßig in Australien Seminare abhält. Immer mehr Hundesportler nutzen diesen „Knackfrosch“ (Clicker), um ihren Hunden zu mehr Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Aktivität und zu einem größeren Repertoire an Verhaltensweisen zu verhelfen
und um darüber hinaus, die Arbeitsfreude und Triebausdauer der Hunde zu steigern.
Der erste Seminartag (und auch der zweite) begann zunächst mit einem gemeinsamen Frühstück. Danach startete Uta mit einem Theorieteil. Ihren mündlichen Vortrag hinterlegte sie mit Power-Point Präsentationen, um uns die Ausführungen noch besser vermitteln zu können. Die ganze schwere Theorie lockerte Uta immer wieder mit bildhaft dargestellten kleinen Geschichten und Anekdoten aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz auf, so dass jeder von uns in der Lage war, das jeweilige Thema
besser zu verstehen.
Das der Clicker nicht die Lösung aller Ausbildungsprobleme ist, sondern nur ein Hilfsmittel, daran ließ Uta keinen Zweifel. Den Einsatz der Leine (um unerwünschtes Verhalten zu blockieren oder zu verändern) kann der Clicker ebenso wenig ersetzen, wie die menschliche Stimme oder das vorausschauende Denken des Hundeführers. Kernpunkt einer jeden Ausbildungsmethode ist die
Notwendigkeit, dem Hund eine klare Vorstellung davon zu geben, was und wie er etwas tun soll. Hat der Hund begriffen, um was es geht bzw. was er lernen soll, beginnt die Ausbildung mit dem Clicker erst und zwar in ganz kleinen Schritten. Erst die Verkettung einzelner kleiner Übungen, das Fortschreiten vom Bekannten zum Unbekannten knüpft dauerhafte Verhaltensknoten, die sich schließlich zu einem prüfungsrelevanten und stabilen Netz verschiedener Übungen verbinden.
Nach Uta´s Meinung entstehen die meisten, schwerwiegendsten Fehler in der Ausbildung durch die Ungeduld des Hundeführers, verbunden mit einem schlechten Timing bei der Belohnung für eine Übung. Die hierbei eingebauten Fehler sind später wieder schwer zu korrigieren. Ein weiterer Grundsatz in der Ausbildung von Uta ist der, dass ein Fehlverhalten des Hundes im Lernprozess (z.B. ein nicht korrekt ausgeführtes „Sitz“ Kommando) grundsätzlich ignoriert wird. Der Entzug von Sympathie und Sozialkontakt verändere das Verhalten des Hundes meistens effektiver als ein „gewaltsamer“ Strafreiz.
Nach dem anstrengenden Theorieteil folgte natürlich der praktische Teil auf dem Übungsplatz. Uta begann diesen Teil mit einer Vorführung einzelner kleiner Übungen mit ihrer eigenen, 4 Monate alten Mali-Hündin „Izarh“. Alle Teilnehmer waren zunächst sehr überrascht und danach begeistert, wie dieser noch sehr junge Hund bereits „gearbeitet“ hat.
Uta erklärte uns, dass sie einem so jungen Hund die Bewegungsabläufe für Übungen, wie z.B. „Fuß“, „Sitz“, „Platz“, oder „Steh“, zunächst immer mit Hilfe der Futterhand vermittelt. Auch hier schon soll der junge Hund die „Arbeit“ aktiv einfordern und seinen Hundeführer treiben. Erst wenn ein perfekter Bewegungsablauf für die entsprechende Übung vom Hund gezeigt wird, entziehen wir die Futterhand und setzen den sogenannten „sekundären Verstärker“, den Clicker ein.
Die Grundsätze ihrer Ausbildungsmethode sind:
- Fehler ignorieren
- Richtiges Verhalten belohnen
- Vorsicht beim Einsatz der Körpersprache des Hundeführers (z.B. beim Fußgehen die angewinkelten Arme, oder das Bewegen der Schulter bei Kehrtwendungen oder Grundstellung)
- Motivationslage des Hundes beachten
- Lernsituation günstig gestalten (zu Beginn der Übungen wenig Außenreize setzen)
- Absichern der Übungen durch sich langsam steigende Ablenkung
Nach Uta´s Meinung ist der Clicker, die Brücke über Raum und Zeit. Sie hat immer wieder feststellen können, wie erstaunlich schnell die Hunde den Clicker als konditionierten Verstärker annehmen. Die Vorteile des Clickers sind: der Click bedeutet Klarheit und immer etwas positives, die erste Bestätigung durch den Clicker ist kurz, schnell und präzise. Der Click (das Geräusch) ist immer gleich und leicht erkennbar.
Weiterhin wurde uns Teilnehmern das „shapen“ (Verhalten formen) am Target-Stick vorgeführt. Es war erstaunlich, wie schnell unsere Hunde dieses umgesetzt haben.
Viele von den Teilnehmern hatten die Möglichkeit genutzt, Ihre (Ausbildungs-) Probleme mit dem eigenen Hund vorzuführen. Durch Uta´s offene Art und den besonderen Blick für Hunde, blieben in den beiden Tagen keine Fragen offen und keine Übung unversucht. Uta´s Hilfestellungen hat dem jeweiligen Hundeführer gezeigt, wie er bereits selbst eingebaute Fehler beheben kann und worauf er in Zukunft achten muss. Vor allem aber hat es unseren Hunden auch Spaß gemacht. Trotz der körperlichen und geistigen Anstrengung waren sie bis zur letzten Übungseinheit mit Freude bei der Sache.
Für mich war das Bindels-Seminar Bestätigung und Ermunterung zugleich. Bestätigung dafür, dass es sich lohnt, über den Tellerrand bekannter Ausbildungsmethoden hinauszuschauen und Ermunterung für Hundesportler und solche, die es werden wollen, sich noch intensiver mit Ihrem Sozialpartner zu befassen und aktiv am Training teilzunehmen.
Es war für uns alle ein sehr interessantes und lehrreiches Seminar. Glücklicherweise hat das Wetter auch mitgespielt.
Ein großes „Danke“ an Uta Bindels!! Wir hoffen sehr, sie irgendwann wieder bei einem Seminar im PHSV Norderstedt begrüßen zu dürfen.
Ich danke natürlich auch unseren drei „Küchenfeen“ (Henny, Bärbel und Jenny) für die super Verpflegung. Dank dieser tatkräftigen Unterstützung hatten wir einmal mehr ein tolles Wochenende.
Fazit: Die auch noch Tage nach dem Seminar erfolgte Resonanz vieler Teilnehmer war so positiv, dass wir im Mai 2012 ein weiteres, neues Seminar für den Bereich VPG ausrichten werden. Die näheren Einzelheiten dazu folgen zu einem späteren Zeitpunkt. Wir werden rechtzeitig darüber informieren.
Thomas Greve